0/2022         JNS   N E W S L E T T E R       ۰/۲۰۲۲

• Als die internationale Stiftung, die wir sind, bieten wir diesen Newsletter in unseren vier Versionen an.

• Wir sind zu Ehren von Jemal Nebez als Stiftung von Kurden für Kurden gegründet und bauen auf sein Lebenswerk, das wir bewahren und weit und breit bekannt machen wollen.

 • Wir sind rechtsfähig und politisch unabhängig, keiner Partei zugehörig. Unsere Gremien arbeiten ehrenamtlich. Für unsere Projekte und Planung sind wir auf Spenden angewiesen.

• Wir sind nach deutschem Recht als gemeinnützig anerkannt. Was wir an Spenden erhalten, wird satzungsgemäß ausgegeben und offengelegt


Liebe Kurdinnen und Kurden, Freundinnen und Freunde, alte und neue!

Die oben aufgeführten Punkte kurz zusammengefasst, unsere Stiftung baut nicht nur auf das Lebenswerk von Jemal Nebez, sie hat auch den organisatorischen und rechtlichen Rahmen, sein Werk in die Zukunft zu tragen, also ... immer vorwärts - durch die Gegenwart.

Bei allem Vorwärtsschauen wollen wir uns dennoch in der Gegenwart positionieren, ihre Härten in den Blick nehmen und dazu die Vergangenheit nicht vergessen.

Schwer zu ertragende Gegenwart

Allerdings ist die Gegenwart immer schwerer zu ertragen. Nicht alle Teile der Welt sind gleichermaßen betroffen, aber wenige sind es mehr als die Heimatregion der Kurden im Nahen und Mittleren Osten, das zerteilte Kurdistan.  Schutzlos, bedroht von Drohnen mit Tötungsbefehl, einfache Feldarbeiter werden von Terrormilizen entführt, manche Gebiete sind von Terrormilizen besetzt. Ein Teil, Westkurdistan - oder Kurdistan-Rojava in Syrien - wird von der Türkei kontrolliert, mit ständigen Drohungen, die Besetzung noch weiter auszudehnen, was das Ende der autonomen Region Kurdistan - Rojava, auch AANES (Autonome Verwaltung von Nord- und Ostsyrien ) bedeuten könnte.
 

Tabuisierung erlittenen Unrechts, fehlende Anerkennung

Diese Gegenwart ist schwer auszuhalten - und der Blick in das vergangene Jahrhundert für Kurden nicht minder.

Es gibt kaum etwas Schrecklicheres als das, was den Menschen in Kurdistan widerfahren ist, die seit der Antike auf ihrem eigenen Land leben und ihre eigene Sprache haben (unter Sprachwissenschaftlern ist bekannt, dass Kurdisch älter ist als Persisch).

Das Schreckliche zog sich durch das 20. Jahrhundert, seit dessen Beginn, als der Kolonialismus tief in den Nahen und Mittleren Osten eindrang und das Erdöl seine verheerende Rolle für die Kurden zu spielen begann, noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden sie von den Siegermächten systematisch aufgeteilt, einer Reihe von neu gegründeten Nationalstaaten zugeschlagen und in diesem Zustand ohne Chance auf internationale Anerkennung bis heute gehalten.

Der Völkerbund, der Ende 1919 gegründet wurde, um die Umsetzung von Versailles zu moderieren, scheiterte kläglich. Weder der Türkei (1923) noch dem Irak (1932) wurden die kulturellen Rechte gewährt, die sie vor ihrer Unabhängigkeit zugesagt hatten.

Die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete UNO verweigerte im Fall der Kurden ihre Zuständigkeit. Ihre Vertreter wurden nicht zur Gründungskonferenz eingeladen, wurden aber dennoch beim ersten Generalsekretär vorstellig - ohne Erfolg. Interessanterweise bestand der Völkerbund bis zur Gründung des letzten der Staaten, die Kurdistan teilten, nämlich Syrien (1946), weiter. Syrien wurde am 17. April 1946 unabhängig, ohne jegliche Bedingungen für die "kurdische Minderheit", die in diesem Teil Kurdistans lebte. Einen Tag später löste sich der Völkerbund auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Kalte Krieg bereits begonnen. Mit allem, was folgte, der Gründung der NATO und des Warschauer Paktes, gab es weder vor dem Ende der Sowjetunion noch danach von der UNO initiierte Untersuchungen, wie die Situation der Kurden, die gezwungen waren, unzählige vergebliche Opfer zu bringen, verbessert werden könnte. Im Gegenteil, durch ihre hartnäckige Weigerung, sich mit dem Thema zu befassen oder sich zu reformieren, hat die UNO die Situation der Ungerechtigkeit zementiert.


Enttabuisierung durch Offenlegen, Beharren auf Lösung

Mit der Zeit werden die Offenlegung der Ungerechtigkeit und das Beharren auf Bemühungen um eine Lösung auf der Ebene der internationalen Organisation schließlich erfolgreich sein. Vielleicht dauert es sogar gar nicht so lange, wenn sich einige einsichtige Staaten aktiv für dieses Ziel einsetzen, und wenn sie ihre Bemühungen wegen eines unvorhersehbaren Ereignisses in der Zukunft etwa vereinen, kann es sogar schneller gehen, vor allem wenn der Ruf nach Gerechtigkeit laut genug ist.

Seit einigen Jahrzehnten haben Kurden Kompetenz erlangt, indem sie sich auf Verbrechen gegen Einzelpersonen, d.h. auf Menschenrechtsverletzung-gen in ihren Teilen der Welt konzentriert haben. Sie dokumentierten diese Fälle, berichteten und vertraten sie vor Gerichten, auch vor internationalen Gerichten. Die Darstellung von Fällen historischen Unrechts, zu denen auch die Verweigerung der internationalen Anerkennung der Kurden gehört, erfordert eine neue Kompetenz. Sie aber ist spätestens die Mühe wert, wenn dieses Fachwissen auf Konferenzen gefragt ist. Es ist zumindest anzunehmen, dass der Einsatz einsichtiger Staaten, die den Kurden international Gehör verschaffen wollen, von Fachkonferenzen begleitet wird, wenn es diesen Einsatz einsichtiger Staaten geben wird.


Ein Versuch, der Ausdauer und Mittel erfordert

Bis heute sind Kurden von internationalen Problemlösungskonferenzen ausgeschlossen, selbst wenn sie direkt betroffen sind. Kurden haben immer wieder beantragt, zu solchen Veranstaltungen zugelassen zu werden. Eine qualifizierte Dokumentation solcher Anträge, eine Analyse der Zulassungschancen und der Gründe für das Scheitern der Anträge könnte unserer Meinung nach dazu beitragen, dass solche Versuche in Zukunft erfolgreicher sind. Als gemeinnützige Stiftung für Wissenschaft und Forschung könnten wir eine solche Aufgabe übernehmen, wenn sich nur ein Sponsor für die Kosten der Förderung (die an den/die kompetenten und qualifizierten Forscher zu zahlen ist) finden würde.

Soviel zum Vorwärtsschauen und zur Zukunft.


Bitte beachten, wir haben jetzt eine Online Seminarreihe!

Alle Infos zu der Reihe sind unter „Veranstaltungen/Aktuelle Seminare“ zu finden. Dort gibt es auch die Links zu den Videos der beiden ersten Seminare, Wir danken Dr. Irfan Mustafa für das Projekt und die Durchführung in kurdischer Sprache.

Die zugrundeliegende Schrift von Jemal Nebez aus dem Jahre 1986 gibt es auch – von ihm seinerzeit selbst besorgt - in deutscher Sprache. Der volle Titel in deutscher Sprache lautete:

Kurdische Zugehörigkeit: Wer ist Kurde? Was bedeutet Kurde sein?

Ein Beitrag zur Erforschung eines aufgeteilten staatenlosen Volkes.

Ursprünglich hatte Jemal den Vortrag 1985 in Kopenhagen gehalten, vor kurdischen Flüchtlingen dort im Rahmen eines Seminars über die Kurdenproblematik.

Für diese Online Seminarreihe haben wir im Namen der Stiftung ein ZOOM Konto eröffnet, das wir in verschiedenen Zusammenhängen von jetzt an nutzen werden, u.a. für unsere Jahresversammlung Anfang Dezember.


Online Jahresversammlung – am 3. Dezember, 1 pm

Wir wollen die grauen Tage des November dafür nutzen, ein positives Programm für unsere Online Jahresversammlung zusammenzustellen. Es wird  in der 2.Hälfte des November auf unserer Unterseite „Veranstaltungen“ stehen – sowie auch die notwendigen Infos zum ZOOM Beitritt.

Anfang Dezember ist jedes Jahr auf’s Neue für uns eine bedeutsame Zeit. Am 1.Dezember wurde Jemal geboren, in diesem Jahr wäre er 89 Jahre ageworden. Am 8. Dezember vor vier Jahren ist er von uns gegangen. In den vier Jahren – und in den zweieinhalb Jahren seit Stiftungsgründung - ist viel geschehen und - Gott sei Dank - manches erreicht worden.

Die Aktiven unserer Stiftung werden über ihre Arbeit berichten und Erreichtes zeigen und es wird die Möglichkeit geben, sie durch Fragen besser kennenzulernen. Dazu wird es eine Vorschau auf das neue Jahr geben.

Bis dann also, bis zum 3. Dezember Online!

Unseren nächsten Newsletter planen wir für Anfang März nächsten Jahres bzw. zu Newroz.

Wir hoffen auf euer/Ihr bleibendes Interesse.


Mit den besten Wünschen,
Reez w silav!

Jemal Nebez Stiftung,
Rechtsfähig und gemeinnützig