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Liebe Kurdinnen und Kurden, Freundinnen und Freunde, alte und neue!

Fangen wir diesmal mit einer allgemeinen Stellungnahme an.

Vor ein paar Wochen war die Situation noch schrecklich. Jetzt ist sie noch schrecklicher. Nicht alle Teile der Welt sind gleichermaßen betroffen, aber wenige sind es mehr als alle Teile Kurdistans: Schutzlos, bedroht von Drohnen mit Tötungsbefehl, entführt von Terrormilizen, manche Gebiete auch besetzt von Terrormilizen. Ein Teil, Westkurdistan - oder Kurdistan-Rojava in Syrien - wird von der Türkei kontrolliert, mit ständigen Drohungen, die Besetzung noch weiter auszudehnen, was das Ende der autonomen Region Kurdistan - Rojava, auch AANES (Autonome Verwaltung von Nord- und Ostsyrien ) bedeuten könnte.

Tabuisierung erlittenen Unrechts, fehlende Anerkennung

Diese Gegenwart ist schwer auszuhalten - und der Blick in das vergangene Jahrhundert für Kurden nicht minder.

Es gibt kaum etwas Schrecklicheres als das, was den Menschen in Kurdistan widerfahren ist, die seit der Antike auf ihrem eigenen Land leben und ihre eigene Sprache haben (unter Sprachwissenschaftlern ist bekannt, dass Kurdisch älter ist als Persisch). 

Das Schreckliche zog sich durch das 20. Jahrhundert, seit dessen Beginn, als der Kolonialismus tief in den Nahen und Mittleren Osten eindrang und das Erdöl seine verheerende Rolle für die Kurden zu spielen begann, noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden sie von den Siegermächten systematisch aufgeteilt, einer Reihe von neu gegründeten Nationalstaaten zugeschlagen und in diesem Zustand ohne Chance auf internationale Anerkennung bis heute gehalten.

Der Völkerbund, der Ende 1919 gegründet wurde, um die Umsetzung von Versailles zu moderieren, scheiterte kläglich. Weder der Türkei (1923) noch dem Irak (1932) wurden die kulturellen Rechte gewährt, die sie vor ihrer Unabhängigkeit zugesagt hatten.

Die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete UNO verweigerte im Fall der Kurden ihre Zuständigkeit. Ihre Vertreter wurden nicht zur Gründungskonferenz eingeladen, wurden aber dennoch beim ersten Generalsekretär vorstellig - ohne Erfolg. Interessanterweise bestand der Völkerbund bis zur Gründung des letzten der Staaten, die Kurdistan teilten, nämlich Syrien (1946), weiter. Syrien wurde am 17. April 1946 unabhängig, ohne jegliche Bedingungen für die "kurdische Minderheit", die in diesem Teil Kurdistans lebte. Einen Tag später löste sich der Völkerbund auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Kalte Krieg bereits begonnen. Mit allem, was folgte, der Gründung der NATO und des Warschauer Paktes, gab es weder vor dem Ende der Sowjetunion noch danach von der UNO initiierte Untersuchungen, wie die Situation der Kurden, die gezwungen waren, unzählige vergebliche Opfer zu bringen, verbessert werden könnte. Im Gegenteil, durch ihre hartnäckige Weigerung, sich mit dem Thema zu befassen oder sich zu reformieren, hat die UNO die Situation der Ungerechtigkeit zementiert.

Enttabuisierung durch Offenlegen, Beharren auf Lösung

Mit der Zeit wird die Offenlegung der Ungerechtigkeit und das Beharren auf Bemühungen um eine Lösung auf der Ebene der internationalen Organisation schließlich erfolgreich sein. Vielleicht dauert es sogar gar nicht so lange, wenn sich einige einsichtige Staaten aktiv für dieses Ziel einsetzen, und wenn sie ihre Bemühungen wegen eines unvorhersehbaren Ereignisses in der Zukunft etwa vereinen, kann es sogar schneller gehen, vor allem wenn der Ruf nach Gerechtigkeit laut genug ist.

 
Seit einigen Jahrzehnten haben Kurden Kompetenz erlangt, indem sie sich auf Verbrechen gegen Einzelpersonen, d.h. auf Menschenrechtsverletzungen in ihren Teilen der Welt konzentriert haben. Sie dokumentierten diese Fälle, berichteten und vertraten sie vor Gerichten, auch vor internationalen Gerichten. Die Darstellung von Fällen historischen Unrechts, zu denen auch die Verweigerung der internationalen Anerkennung der Kurden gehört, erfordert eine neue Kompetenz, die aber spätestens die Mühe wert ist, wenn dieses Fachwissen auf Konferenzen gefragt ist, die den Einsatz einsichtiger Staaten begleiten werden, die den Kurden international Gehör verschaffen wollen, wenn es sie geben wird.

 Ein Versuch, der Ausdauer und Mittel erfordert

Bis heute sind Kurden von internationalen Problemlösungskonferenzen ausgeschlossen, selbst wenn sie direkt betroffen sind. Kurden haben immer wieder beantragt, zu solchen Veranstaltungen zugelassen zu werden. Eine qualifizierte Dokumentation solcher Anträge, eine Analyse der Zulassungschancen und der Gründe für das Scheitern der Anträge könnte unserer Meinung nach dazu beitragen, dass solche Versuche in Zukunft erfolgreicher sind. Als gemeinnützige Stiftung für Wissenschaft und Forschung könnten wir eine solche Aufgabe übernehmen, wenn sich nur ein Sponsor für die Kosten der Förderung (die an den/die kompetenten und qualifizierten Forscher zu zahlen ist) finden würde.

Soviel zur Zukunft, nun zurück zur Gegenwart.


Bitte beachten, wir haben jetzt eine Online Seminarreihe!

Alle Infos zu der Reihe sind unter „Veranstaltungen/Aktuelle Seminare“ zu finden. Dort gibt es auch die Links zu den Videos der beiden ersten Seminare, Wir danken Dr. Irfan Mustafa für das Projekt und die Durchführung in kurdischer Sprache.

Die zugrundeliegende Schrift von Jemal Nebez aus dem Jahre 1986 gibt es auch – von ihm seinerzeit selbst besorgt - in deutscher Sprache. Der volle Titel in deutscher Sprache lautete:

Kurdische Zugehörigkeit: Wer ist Kurde? Was bedeutet Kurde sein?

Ein Beitrag zur Erforschung eines aufgeteilten staatenlosen Volkes.

Ursprünglich hatte Jemal den Vortrag 1985 in Kopenhagen gehalten, vor kurdischen Flüchtlingen im Rahmen eines Seminars über die Kurdenproblematik.

Werbeblatt und Info-Flyer- und was daraus für uns folgt

Aktuell neu ist unser Werbeschreiben und Info-Flyer, hier als PDF Download:

 

Info_Flyer .pdf (2.71MB)
Info_Flyer .pdf (2.71MB)


Zum Standard einer gemeinnützigen Stiftung wie der unsrigen gehört die Offenlegung unserer Spendeneinnahmen und wofür wir sie ausgeben. Dafür haben wir eine Unterseite Transparenz eingerichtet. Des weiteren gehört zum Standard ein mehrmals im Jahr an alle Interessenten und Fördermitglieder verschickter Newsletter. Über unser Kontaktformular kann er bequem bestellt werden.
In Hinblick auf die bald erscheinende Null-Ausgabe unseres Newsletters, hat dieser Text der Startseite auch schon etwas den Charakter eines Newsletters angenommen. Wir hoffen auf euer/Ihr bleibendes Interesse.
Mit den besten Wünschen,

Reez w silav!

Jemal Nebez Stiftung

Rechtsfähig und gemeinnützig

JN per Hand.pdf (357.4KB)
JN per Hand.pdf (357.4KB)

P.S. Hier zur Erinnerung das Gedicht von F. Grillparzer, das Jemal schätzte, und Abdullah ins Kurdische übersetzte und das wir Ihnen/euch mit unserem Newroz Gruß schon schickten.

F. Grillparzer.pdf (178.38KB)
F. Grillparzer.pdf (178.38KB)

Übrigens, es gibt eine Gruppe, die noch nach Verbesserungen sucht. Wer von den Literaten unter den Kurdinnen und Kurden dazu Vorschläge hat, bitte unser Kontaktformular nutzen. Schön wäre es auch, wenn wir die kurdische Fassung in lateinischen Buchstaben erhielten.

Hier in der Galerie zeigen wir manche Bücher und Schriften unseres Namensgebers. die auf seiner weiter  bestehenden Webseite anschaulich aufgelistet sind: www.jemalnebez.org/Literatur.

Wer eine nicht aufgelistete Schrift von Jemal Nebez in seinem Besitz hat, möge uns das bitte mitteilen, gerne über unser Kontaktformular. Das Ziel ist ein umfassendes Verzeichnis der Werke und Schriften unseres Namensgebers Jede Hilfe ist willkommen. 

  • Jemal Nebez beschäftigte sich in seinen Werken mit den Grundlagen kurdischer Einheit, Sprache und Kultur einschließlich der Geschichte Kurdistans. – Jemal Nebez Stiftung
  • Die Stifterin der Jemal Nebez Stiftung, Dr. Hannelore Küchler, hat den gesamten Nachlass von Jemal Nebez der Stiftung überlassen, um weitere Forschungen in der Kurdologie zu ermöglichen. – Jemal Nebez Stiftung
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